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Herbstwind

Kalt blies der Wind durch die Bäume. Orange, braune und gelbe Blätter wurden von den Ästen gerissen, wie Kinder vom Busen ihrer Mutter. Sie hatten ihr grün schon lange verloren, ihre Lebenskraft. Trotzdem tanzten sie wundervoll, man könnte fast sagen unbeschwert im Wind davon, als wäre dies nicht ihr Ende, als wären sie nicht gerade von ihrem Zuhause verstossen worden.

Jo zuckte zusammen, als eines der Blätter seine Schulter streifte. Er stand neben einem der Giganten und hatte dem ewig wiederkehrenden Tanz zugesehen. Es schien, als würde der Wind auch ihn mitnehmen wollen. Und fast wünschte er sich, auch eines dieser tristen Blätter zu sein, ohne Hoffnung und ohne Zukunft. Aber so sehr er es auch versuchen würde, er würde nie ein Blatt sein können. Niemals.

Der Wind frischte noch einmal, für den Bruchteil eines Momentes, auf und wirbelte Jo einige Blätter um die Ohren. Rauschend flogen sie um ihn, nur um dann ihren Geschwistern in die weite Ferne zu folgen. Wie Vögel, die der Sonne nachjagen, dachte sich Jo.

"Jo, kommst du?", fragte sein Vater. Er nickte nur und drehte sich um. Sein Vater. Er hatte graue Augen, genau wie Jo. Doch seine Haare waren hell, und die von Jo dunkel. Er hatte die Haare seiner Mutter. Sein Vater stand da und musterte ihn. Vermutlich fragte er sich, warum Jo gerade das schwarze Shirt mit dem Totenkopf, der eine Rose im Mund hält, an hat. Nicht gerade passend für eine Beerdigung. Aber seine Mutter hatte es ihm einst geschenkt. Es war an einem Mittwochnachmittag gewesen. Er hatte Zuhause gesessen und am PC gespielt. Wie hatte er sich aufgeregt, als seine Mutter reingekommen ist und ihm gesagt hat, dass er abschalten solle um mit ihr einkaufen zu gehen. Widerwillig war er mitgegangen. Er hatte ihr geholfen den Einkaufswagen durch die Gänge zu schieben und alles fein säuberlich an der Kasse aufzureihen, nur um dann schwere Taschen nach Hause zu schleppen. Da sie nicht weit vom Laden wohnten, waren sie zu Fuss unterwegs gewesen. Dabei waren sie an einem Laden vorbei gekommen, in dessen Schaufenster dieses Shirt gehangen hatte. Jo hatte nur für den Bruchteil einer Sekunde halt gemacht, denn wie hätte er seiner Mutter auch sagen können, dass ihm dieses Shirt gefiel? Immerhin war sie seine Mutter. Sie hätte es nicht verstanden. Einen Tag später dann, als er nach Hause gekommen war, hatte das Shirt auf seinem Bett gelegen. Seine Mutter hatte es ihm als Dankeschön für das Mitkommen gekauft.

Nun folgte Jo seinem Vater über diesen tristen Ort. Stein an Stein reihte sich, wie Soldaten in einer Armee in geraden Linien, aneinander. Maria Herbert. Alfons Balsmeyer. Eva Zijlistra. So viele Namen. Irgendwann würde auch seiner zu ihnen gehören. Gehorsam, wie ein Entenkücken, dass seiner Mutter folgte, lief Jo seinem Vater nach. Sie steuerten die kleine Kirche an, die auf dem Hügel zwischen all dem Tod stand. Sie war zwar klein, doch gefiel sie Jo. Sie hatte einen gewissen Charme, der auch seiner Mutter gefallen hätte. Die Kirche war aus hellem Holz gebaut. Die Fenster waren farbig, jedoch schlicht. Ja, es hätte Mutter gefallen, beschloss Jo. Und trat in den Rahmen der Tür, die in die Kirche führte, in das Portal, dass zu einem neuen Leben für ihn führen würde. Hier würde er Abschied nehmen. Ein letztes Mal drehte er sich noch um und blickte wieder zu den Blättern. Auch sie mussten Abschied nehmen, bevor der Wind sie wegtrug. Vielleicht war er keines der ihren, doch möglicherweise hatten sie mehr gemeinsam, als ihm klar war. Vielleicht war der Wind ein Portal für die Blätter, dass sie in ein neues Leben brachte. Ein Leben, indem sie zu Hummus werden, in welchem nach vielen Jahren wieder ein Baum erblühen können würde.

6.11.14 21:07, kommentieren

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About a-long-time

A-long-time lehnt sich an das englische "a long time ago, ..." an, was so viel bedeutet wie "vor langer Zeit, ..." und einen typischen Märchenanfang signalisiert. Also, um was kann es in meinem Blog also gehen? Ich mach es euch einfach und gebe geradewegs die Antwort: Ich werde Kurzgeschichten verfassen und bloggen :P

Okay, manchmal werde ich vielleicht auch über etwas anderes schreiben, vielleicht verfasse ich auch einmal ein Gedicht oder so, aber das Hauptthema meines Blogs sollen Kurzgeschichten sein.

Ich werde immer wieder 'mal eine Geschichte verfassen, doch da ihr diejenigen seid, die meine Geschichten lesen dürfen, könnt ihr auch gerne Kritik, Verbesserungsvorschläge oder auch Ideen für die nächste Geschichte in den Kommentaren anbringen.

 So, nun denn, ich werde mich an die arbeit machen und bald eine Geschichte bloggen :D

 

4.11.14 18:24, kommentieren