Letztes Feedback

Meta



Gratis bloggen bei
myblog.de





 

Google's Allwissenheit

Müde und mit müden Augen öffne ich den Browser. Wie ich mich fühle? Beschissen. Kaputt. Völlig Ausgelaugt. Aber egal. Das Leben geht weiter und somit auch die Zeit. Und die sagt mir gerade, dass ich noch genau zwei Tage für den Aufsatz habe und ich begreife noch nicht einmal, was die normale Struktur eines Dramas ist, wie zum Teufel soll ich da beurteilen, ob diese Form zu heutigen Damen noch passt? Naja. Öffnen wir Google, da finde ich bestimmt eine Antwort.

Während das Internet wieder einmal quälend langsam lädt, strecke ich mich auf meinem Stuhl. Ich höre mein Bett nach mir rufen, ich spüre seine sanfte Umarmung, die wohlige Wärme, die es verströmt, doch ich habe keine Zeit zum schlafen. Ich muss diese Arbeit schreiben. Google erscheint nun endlich und ich gebe in das perfekt rechteckige Feld Drama Struktur ein. Enter.

Google sucht und peng, da sind meine Seiten. Und plötzlich erscheint ein eckiges Feld. Es tut uns Leid, dass ihr Opa verstorben ist. Was zum Teufel? Mein Opa soll tot sein? Haha, sehr lustig Google.

Plopp: Ein neues Fenster. Aktion: Wunderschönste Särge.

Was?? Plopp: Dieser Sarg hätte Ihrem Opa sicher gefallen. Er ist aus Mahagoni. Ihr Opa hat letztes Jahr einen Mahagonischrank gekauft.

Verwirrt klicke ich die Fenster zu. Ich muss mir einen Virus eingefangen haben. Ich meine nicht körperlich. Ich meine einen Computervirus. Das muss es sein. In diesem Moment klingelt mein Handy.

„Ja“, nehme ich ab.

„Schätzchen“, sagt die Stimme meiner Mutter, „normalerweise sag‘ ich so `was nicht über’s Telefon, aber ich will, dass du es von mir hörst. Dein Opa ist heute Nachmittag an einem Herzinfarkt gestorben.“

„Was?“, krächze ich ungläubig. In diesem Moment öffne ich die Augen und erwache mit einer halben Tastatur im Gesicht. Ich muss über meinem Computer eingenickt sein. Vor mir ein leeres Word-Dokument. Verwirrt schüttle ich den Kopf. Was für ein wirrer Traum. Gott sei Dank ist er nicht wahr. Ich meine, Google könnte nie vor mir wissen, dass mein Opa tot ist… Oder?

13.11.14 19:55, kommentieren

Werbung


Ein kurzer Flug

Peng. Ich laufe los. Meine Beinmuskeln spannen sich an, wie sie es gelernt haben. Ich selbst fliege über die Bahn. Rechts lasse ich schon einen meiner Konkurrenten hinter mir. Meine Arme schnellen an meinem Körper vor und zurück. Mein Kopf thront ruhig auf meinem Hals und mein Blick ist starr auf den roten Boden unter meinen Füssen gerichtet. Die weissen Linien darauf signalisieren mir, wo ich laufen muss. Aber ich hätte es auch ohne sie gewusst. Diese Bahnen laufe ich schon lange. Als ich klein war, tobte ich immer herum. Eines Tages nahm mich mein Vater zu seiner Arbeit mit. Er ist Strassenreiniger. Schlecht bezahlter Job. Ich lief ihm davon. In ein Stadion hinein. Dort sah ich sie. Die Läufer. Ihre Beine waren so stark. Sie flogen beinahe über die Bahn. Da wusste ich, was ich einmal werden wollte. Ich wollte fliegen. Wie ein Vogel. Wie ein Engel. Nun bin ich hier, nach so langem Training. Man trainiert um zu gewinnen. Ich nicht. Ich trainiere um noch schneller fliegen zu können, denn dieser Augenblick ist alles, was zählt. Nicht das Starten. Nicht das Gewinnen. Einfach nur das fliegen. Jede einzelne Faser seines Körpers zu spüren. Zu spüren, wie das Blut durch ihn hindurch fliesst. Anders als bei Vater. Aus ihm floss es heraus. Vor zwei Jahren hatte er einen Autounfall. Er ist nicht gestorben. Er ist nur nicht mehr da. Jedenfalls nicht mehr ganz. Seine Augen sind leer, seine Kehle stumm. Ich komme leicht von der Bahn ab. „Konzentriere dich!“, befehle ich mir. Dann blinzle ich schnell und in diesem Bruchteil einer Sekunde bin ich wieder ruhig. Wie ein Tiger, der sich an seine Beute anpirscht. Mein Vater mochte immer lieber Rehe. Er nannte mich immer sein kleines Reh, was ich hasste. Ich habe einmal in einem Tierpark ein Reh gesehen. Sie sind gar nicht so süss. Sie haben zu kleine Köpfe und zu grosse Ohren. Hätte ich so grosse Ohren, wäre ich bestimmt nicht so schnell. Die sind ja wie Windsegel. Ich lege mich schräg in die Kurve. Bald kommt der Endspurt. Der Endspurt, welcher mir so verhasst ist. Nach ihm endet alles. Sonst hätte man ihn kaum so genannt. Danach kommt die Landung. Mutter wird vielleicht stolz auf mich sein und Vater, wer weiss. Ich will nicht darüber nachdenken. Ich will nur fliegen. Weiter und weiter, bis mein Körper nicht mehr kann. Den Wind fühlen, welcher durch meine Geschwindigkeit um mich fegt. Spüren, wie meine Beine mich vom Boden fernhalten. Der Endspurt beginnt. Ich dränge all meine Gedanken nach hinten. Sie haben hier keinen Platz. Nichts hat hier Platz. Mein Herz pumpt noch schneller und meine Lunge arbeitet so schnell, wie noch nie. Weit in der Ferne kann ich meine Mutter sehen. Sie wartet am Rand auf mich und feuert mich an. Sie lenkt mich ab. Ich blende sie aus. Alles um meine Bahn herum blende ich aus. Dann spanne ich meine Muskeln noch schneller an. Wie eine Lokomotive, die frische Kohle bekommen hat, rase ich auf das Ziel zu. Rechtes Bein, Flug, linkes Bein, Flug. Ich schwebe. Und dann geschieht es. Ich hebe ab. Der Boden ist plötzlich nicht mehr hart, er ist weich und besteht aus roten Wolken. Meine Muskeln wollen nicht mehr müde entspannen, sie sind hellwach und voller Energie. Mein Kopf ist frei und leer und mein Körper besteht aus samtigen Federn, welche kaum getragen werden müssen. Immer schneller werdend setze ich einen Fuss nach dem anderen auf dem Boden. Kraftvoll springe ich danach wieder in die Luft. Ich will den Boden nicht mehr berühren, doch geht es nicht anders. Ich bin eben kein Engel. Plötzlich berührt mich etwas am Bauch. Ich will schon schreien, als ich bemerke, dass es das Band der Ziellinie ist und mit dieser Erkenntnis kommt alles wieder zurück. Ich stoppe meinen Lauf und sinke entkräftet auf die Knie. Mein Körper zittert. Meine Lungen brennen. Es schmerzt. Tränen rinnen mir übers Gesicht und ich höre Schreie. Sie schreien für mich. Weil ich gewonnen habe. Ich will aber nicht gewonnen haben. Ich will fliegen.

2 Kommentare 13.11.14 19:26, kommentieren